Zwischen Täuschung und Exposure: Zur Wirkung sexualisierender Deepfakes auf Betroffene

Zwischen Täuschung und Exposure: Zur Wirkung sexualisierender Deepfakes auf Betroffene

Alin Bernunzo

09.10.2026 16:30–17:00
Deutsch
(Kurz-) Vortrag
Wissenschaft & Technologie
#Desinformation #Feminismus #KI #Sex
Deepfakes gelten vor allem als Täuschungsproblem. Doch was bewirken sie bei Betroffenen, die wissen, dass die Inhalte gefälscht sind? Erste Studienergebnisse zeigen: Im Zentrum steht nicht nur Täuschung, sondern die Erfahrung von Entblößung.

Der Vortrag basiert auf dem Dissertationsprojekt „How deep/fake is your love? Deepfakes im Spannungsfeld digitaler und epistemischer Gewalt“ und präsentiert erste Ergebnisse der laufenden Datenerhebung. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie wirken nicht-einvernehmliche, sexualisierende Deepfakes auf Betroffene?

Anders als im gängigen Deepfake-Diskurs, der sich vor allem auf den Effekt der Täuschung konzentriert, rückt dieser Vortrag die Perspektive der Betroffenen in den Fokus. Denn während vor allem Rezipient:innen durch Deepfakes getäuscht werden können, wissen Betroffene in der Regel, dass die gezeigten Inhalte manipuliert sind und nicht ihre tatsächliche Person oder ihr Handeln abbilden. Daraus ergibt sich die Frage: Wenn Betroffene nicht getäuscht werden, was bewirken Deepfakes dann bei ihnen?

In den bisherigen Interviews mit Expert:innen digitaler Gewalt rückt vor allem der Aspekt der „Entblößung“ als ernstzunehmende Wirkungsweise bildbasierter, sexualisierter Gewalt in den Vordergrund. Nicht-einvernehmliche, sexualisierende Deepfakes stellen demnach für Betroffene vor allem eine expositionsbasierte Bedrohung dar, und keine täuschungsbasierte! Die Ergebnisse sollen bis Oktober nach Möglichkeit durch Interviews mit Betroffenen ergänzt werden.

Der Vortrag diskutiert, welche Wirkungsweisen nicht-einvernehmliche, sexualisierende Deepfakes jenseits ihres Täuschungscharakters entfalten, und plädiert für eine Verschiebung bzw. Erweiterung der Aufmerksamkeit: weg von der Frage, wie Rezipient:innen Deepfakes erkennen können, hin zu den Erfahrungen der Betroffenen. Er öffnet damit den Blick für die breitere gesellschafts- und demokratiepolitische Bedeutung des Phänomens, da die massive Betroffenheit von Frauen auf antifeministische Gegenbewegungen verweist, die gerade in einer Zeit relativer Gleichstellungsfortschritte neue digitale Formen der Herabsetzung, Kontrolle und Einschüchterung hervorbringen. Er regt dazu an, zu überlegen: Was braucht es in der Bekämpfung von Deepfakes jenseits von Erkennungskompetenzen? Denn gerade bei nicht-einvernehmlichen, sexualisierenden Deepfakes ist die Frage der Authentizität oft zweitrangig, die eigentliche Wirkung entfaltet sich in Formen der Entwürdigung, Entblößung und Silencing, die auch dann fortbestehen, wenn ein Deepfake als Fälschung erkannt wird.